Wassertank reinigen mit Chlor – Top oder Flop?

Irgendwann ist es soweit: die erste Tankreinigung im Kastenwagen steht an! Doch welche Methoden gibt es und sind sie auch wirklich Erfolg versprechend?

Unser erstes Mal – es sollte im Sommer 2019 passieren. Grund: Das Wasser im Tank war uns durch die dauerhafte Hitzeeinwirkung umgekippt. Gleich zwei Lehren trugen wir Wohnmobil Neulinge aus diesem Ereignis davon:

1. Auch, wenn der DoGo fast jedes Wochenende in Gebrauch ist: in den heißen Sommertagen nie zu viel Wasser auffüllen und überschüssiges Wasser nach jeder Tour wieder restlos ablassen.

2. … na ja, dazu kommen wir gleich.

Der Tank muffelte also fortan ein wenig. DoGo erster Geburtstag näherte sich in raschen Schritten und wir dachten uns: Getz isses soweit! Grundsätzlich soll man ohnehin einmal im Jahr alles restlos sauber machen und warten- wir tauchten ein in die vielen Ratgeber Beiträge der Wohnmobil Welt. Teure spezial Reiniger, Zitronensäure, Handarbeit… Chlor. Chemische Reinigungen glichen sich vom Verfahren her: Zusatz erst in höherer Konzentration einfüllen, kurz einwirken lassen, mit viel Wasser auffüllen, etwas durch die Gegend fahren , um alles gut durch zu schütteln, dann ablassen und viel viel viel, oft, oft oft nachspülen. Dafür versprachen diese Methoden allesamt eines: Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit.

Die meisten Blogger und Forenmitglieder waren sich einig: Chlor tut es genauso wie Spezialreiniger und ist noch dazu viel günstiger. Spezialreiniger? Alles Geldmacherei!

Also schritten wir zur Tat! Hochmotiviert stürmten wir den nächsten Discounter und suchten uns eine Entsorgungsstation an der wir die Brühe unbesorgt und fachgerecht während der Aktion ablassen würden können.

Das ganze zeitintensive Prozedere beschreiben wir hier nicht weiter. Es gibt zahlreiche Videos und Blogbeiträge anderer Wohnmobilblogger zur Vorgehensweise. Wir hielten uns penibel daran.

Der erste Eindruck war gut! Frischer, sauberer Geruch überall. Wir waren zufrieden!

Können wir die Tankreinigung mit Chlor also empfehlen? Ist das unsere persönliche Top- Methode?

Wenige Wochen später war es Zeit für das große Aaaaaber.

Wir machten uns auf Richtung Süden. Unser großer Spanien- Portugal Roadtrip stand an (die Story hierzu gibt es in unseren Instagram Highlights anzusehen).

Das große Aber…

Etwa an Tag zwei oder drei fiel uns ein unangenehmer Chlorgeschmack im Wasser auf, den wir direkt nach der Reinigung tatsächlich nicht wahr genommen hatten. War das in Frankreich aufgefüllte Wasser etwa so stark Chlor – haltig? Da das Wasser- Nachfüllen in Spanien super- unkompliziert möglich war, entschieden wir uns, den Tank leer laufen zu lassen und frisches Wasser auf zu füllen. Ein Schluck aus dem Hahn: super! Rein in unseren Tank mit dem frischen Nass. Glücklich zogen wir weiter. Doch keine zwei Tage später war er wieder da: der Chlorgeschmack. Unfassbar! Wir hatten doch pingelig alles durchgespült, keine Einwirkzeiten überschritten, nicht zu hoch dosiert… irgendwo hatte es sich im Tank festgesetzt – das Chlor.

Die Urlaubszeit überbrückten wir, indem wir Trinkwasser in großen 8- Liter- Kanistern kauften und diese entsprechend nachfüllten. Das Wasser aus unserem Tank benutzen wir nur noch zum Duschen und abspülen. Eine Lösung musste her, sobald wir wieder zu Hause sein würden.

Wieder zurück entschieden wir uns also für die wohl konservativste und auf den ersten Blick nervigste Methode der Tankreinigung. – Die Reinigung per Hand.

Matratzen hoch und von oben an den Tank, hieß es nun. Hierbei stellten wir fest, dass sich noch Restwasser in einer Rille befand, das dort schon lange zu stehen schien. Auch beim Ablassen über die Hähne kam die Pumpe an diese Vertiefung nicht ran. Unser Händler hatte uns bei Übergabe nicht mitgeteilt, dass es hier unter dem Wagen noch ein winziges zusätzliches Ventil gibt, durch das das Restwasser abgelassen werden kann. Toll! Da war der Übeltäter schon einmal gefunden. Da wir zunächst nicht daran dachten, dass es noch ein Ventil geben könnte, schöpften wir das alte Wasser ab. Dann begann das Ausschrubben per Hand. – Achtung! Manche empfehlen, hierzu Zitrone zu benutzen. Sollte jedoch zuvor schon einmal Chlor verwendet worden sein, bitte unbedingt darauf verzichten, da Chlor in Verbindung mit Zitronensäure ein ätzendes Gemisch bildet. Nach der ersten gründlichen Reinigung ließen wir den Tank noch einmal komplett voll laufen, schaukelten den Dogo gut durch, ließen das Wasser wieder ab und wiederholten die Handreinigung.

Bis wir das zusätzliche Ventil fanden, schöpften wir das Chlorwasser erst einmal per Hand ab
Zunächst schöpften wir das innen stehende Wasser per Hand ab
Eine ekelige Brühe kam zum Vorschein
Dann ging es endlich richtig ans Reinemachen
Nix für zu kurze Arme…

Das sollte es gewesen sein! Der Tank sah wieder vollkommen jungfräulich aus- und roch auch so.

Geht ihr sorgfältig mit eurem Wasser um, und achtet darauf, dass es im Sommer nicht beginnt zu gammeln, sollte eine gründliche Reinigung pro Jahr ausreichen. Wir haben den Vorgang nur deshalb zwei Male durchgeführt, weil wir sicher gehen wollten, auch wirklich alle Chlorreste entfernt zu haben.

Wie zufrieden sind wir mit dem Ergebnis?

Grundsätzlich war die Handreinigung das Beste, was wir tun konnten. Und ganz Ehrlich: aufwändiger als das häufige Durchspülen war es auch nicht.

Leider hat sich auch noch etwas Chlor in den Leitungen fest gesetzt. Ein leichter Geschmack bleibt also, wenn man den Hahn aufdreht. Ist das alte Wasser aus der Leitung durchgelaufen, schmeckt das neu durchlaufende Wasser aber wieder frisch. Aktuell hoffen wir noch, dass sich die Leitungen mit dem häufigen Durchspülen langsam selbst reinigen.

Fazit: Handreinigung oder Tankreinigung mit Chlor?

Unsere Entscheidung steht ganz klar fest: nie wieder Chlor! Wir werden bei der guten alten Handreinigung- Methode bleiben.

Wir können im Nachhinein wirklich nichts Gutes mehr an der Tankreinigung mit Chlor finden. Leiten lassen haben wir uns von der vermeintlichen Bequemlichkeit. Schließlich muss man den Rücken nicht krumm machen, das Bett hinten nicht herausnehmen und kann etwas Nettes drinnen lesen, während die Spülvorgänge durchlaufen. Dachten wir.

Dass eine Handreinigung viel nerviger und aufwändiger ist, als mal eben entspannt, 4-5 Male den Tank mit Chlor und Wasser durchzuspülen- völliger Quatsch!

Pro Handreinigung:

❎ umweltfreundlicher: es wird keine Chemie verwendet, die anschließend ins Abwasser gelangen könnte.

❎ damit einhergehend auch räumlich flexibler: es muss keine Entsorgungsstation in der Nähe gesucht werden.

❎ zeitsparender: das einwirken Lassen mit Chlor, sowie das Herumfahren, um alles gut durch zu spülen in Kombination mit den häufigen Spülvorgängen nimmt viele Stunden Zeit in Anspruch. Ist der Wassertank erst einmal freigelegt und zugänglich gemacht, ist man mit dem Durchputzen per Hand in einer guten Stunde fertig, auch, wenn es etwas Verrenkungen und Schrubberei bedeutet.

❎ Ressourcensparender: beim 4-5 maligen Durchspülen nach dem Chloren gehen locker 500 Liter ungenutzt durch die Rohre in den Abfluss. Bei der Handreinigung reicht maximal eine Füllung- wenn überhaupt.

❎ du lernst deinen Kasten kennen: wir haben noch Plastikreste, vermutlich aus der Produktion im Tank gefunden. Ist doch schön, wenn man auch einmal sieht, was dort noch so herumschwirrt und wie es innen drin ausschaut.


Wir haben also für die Zukunft unser Vorgehen für die Reinigung und Pflege unseres Tankes gefunden. Wenn wir sicher sind, dass auch wirklich der letzte Rest Chlor verschwunden ist, werden wir die Variante mit der Zitrone austesten. Chemie jedoch- die kommt uns nicht mehr in den Tank!


Fragen, Tipps und Anregungen? Dann schreib uns an hallo@vanlifelove.de


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